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0180-Rufnummern – geteilte Kosten?!

Wer Geschwisterkind ist, wird sich vielleicht besonders gut erinnern, wie schwierig teilen doch manchmal ist. Es gibt den schönen Spruch: „Teilen wir brüderlich – oder doch lieber gerecht?“.

Mit dem Teilen tun sich die Hotlinebetreiber in Deutschland auch gerne mal etwas schwer. Rufnummern, die mit der Vorwahl 0180 beginnen, sind sogenannte „shared cost“ oder auch „Geteilte-Kosten“-Nummern. Auch die Bundesnetzagentur informiert über Sinn und Zweck dieser Nummern:

„Die Geteilten-Kosten-Dienste sind durch eine bundesweit einheitliche Dienstekennzahl (0180) festgelegt. Bei der Inanspruchnahme von den Geteilten-Kosten-Diensten wird das für die Verbindung zu entrichtende Entgelt grundsätzlich aufgeteilt vom Anrufenden und vom Nutzer der Nummer gezahlt. Vom Anrufenden darf kein Entgelt erhoben werden, das an den Nutzer der Nummer ausgezahlt wird.“ (Quelle: Bundesnetzagentur)

Guckt man sich aber an, was ein Anruf auf eine 01805-Nummer kostet, dann staunt man nicht schlecht: 14 Cent werden pro Minute aus dem Festnetz fällig (warum aus den Handynetzen mehr als die Addition aus Festnetztarif plus 14 Cent pro Minute fällig ist, wäre wohl einen eigenen Artikel wert). Ein Ferngespräch mit der Telekom kostet dagegen vom heimischen Analoganschluss im einfachsten Tarif (Callplus Standard) zur Hauptzeit 5,1 Cent. Nimmt man eine günstige Call-by-Call Vorwahl, so zahlt man weniger als einen Cent pro Minute. Da muss es sich wohl um eine recht „brüderliche“ Aufteilung der Kosten zwischen Anrufer und Angerufenem handeln. Zudem haben viele mittlerweile eine Flatrate oder Freiminuten ins Festnetz. Beides gilt natürlich nicht für 0180-Rufnummern, diese müssen auch dann voll bezahlt werden.
Es kommt aber natürlich noch besser: Viele Anbieter von diesen 0180-Rufnummern zahlen dem Angerufenen einen sogenannten Werbekostenzuschuss aus. Bei einer schnellen Suche im Netz finden sich zu Haus anbieter, die bis zu 3 Cent pro Minute bei 0180-5 Verbindungen auszahlen. Als Gegenleistung muss der Hotlinebetreiber in der Nähe der Rufnummer den Namen des Telefondienstleisters nennen. Der Dienstleister wird also beworben und zahlt aufgrund dieser Tatsache einen Werbekostenzuschuss aus. Damit, dass die Gebühren für den Anrufer viel höher als ein normales Festnetzgespräch sind und der Angerufene gerne einen Teil davon abbekommen will, hat das natürlich gar nichts zu tun.

Immerhin hat die Bundestnetzagentur mittlerweile erkannt, dass mit den Auszahlungen Mißbrauch betrieben wird und hat angekündigt, sich dem Sachverhalt anzunehmen (siehe z.B. dieser Artikel aus dem heise-Newsticker).

Bis dahin gibt es immerhin für viele Fälle eine Alternative: über www.0180.info ist ein Verzeichnis mit Ersatzrufnummern erreichbar. Per Suche nach einer 0180-Rufnummer oder einem Firmennamen gibt es für sehr viele Unternehmen eine alternative Festnetzrufnummer, die dann zum Normaltarif erreichbar ist.

Nachtrag:

Da mir gerade eine Tarifbroschüre der Telekom von Januar 1996 in die Hände gefallen ist, zitiere ich gerne mal die damaligen Preise des damals teuersten Vormittagstarifs (in Euro umgerechnet):

Ortsgespräch: 4,09 Cent pro Minute im 90/90 Takt
Ferngespräch: 32,01 Cent p.M. im 11,5/11,5 Takt
01805-Gespräch: 24,54 Cent p.M. im 15/15 Takt

Tagsüber konnte man damals also tatsächlich bei Ferngesprächen von shared-cost reden, allerdings schon ab dem Freizeittarif ab 18 Uhr kostete die Gesprächsminute (Ferngespräch) 18,41 Cent im 20/20 Takt und war somit auch damals schon billiger als das 01805-Gespräch.

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